Ein Denkmal von nationaler Bedeutung

Die Judengasse 10 in Rothenburg ist wirklich etwas ganz besonders. Nun hat das Landesamt für Denkmalpflege bestätigt, dass es sich beim spätmittelalterlichen Stadthaus sogar um ein "Denkmal von nationaler Bedeutung" handelt. Ausschlaggebend war die faszinierende Ausstattung, die das Gebäude einzigartig macht.

Vor allem die historischen Besonderheiten des Stadthauses – das einzige bislang entdeckte jüdische Ritualbad in Rothenburg sowie die nahezu vollständige erhaltene hölzerne Bohlenstube im Obergeschoss – gaben den Ausschlag für die Bewertung als „Denkmal von nationaler Bedeutung“. Diese Entscheidung ermöglichten außerdem die Erkenntnisse der Untersuchungen, die während der vergangenen Monate in und am Gebäude Mitglieder und Freiwillige von Kulturerbe Bayern und dem Verein Alt-Rothenburg überwiegend ehrenamtlich durchgeführt haben. So bewiesen die archäologischen Grabungen, dass die Mikwe sicher vor 1409, dem Erbauungsjahr des Hauses, errichtet wurde. Sie ist damit das einzige bestätigte Ritualbad Deutschlands aus dem 15. Jahrhundert, das mit dem dazugehörigen Haus erhalten ist. Ebenso stammt die Bohlenstube aus der Entstehungszeit des Wohnhauses und zählt damit zu den ältesten ihrer Art in Bayern.

Generalkonservator Pfeil: "Weit über Bayern hinausreichende historische Bedeutung"

"Als höchst seltenes Beispiel für ein in die Zeit um 1400 zurückreichendes bürgerliches Wohnhaus einer im damaligen Deutschen Reich bedeutenden mittelalterlichen Reichsstadt kommt dem Bürgerhaus in der Judengasse 10 in Rothenburg nationale Bedeutung zu“, begründet Prof. Mathias Pfeil, Generalkonservator und Leiter des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege, die Entscheidung seines Hauses. „Die Judengasse entstand spätestens im letzten Viertel des 14. Jahrhunderts, als man – nach dem Exodus durch die Judenpogrome 1298 und 1349/50 – unter Bürgermeister Heinrich Toppler begonnen hatte, jüdische Familien wieder in die Stadt zurückzuholen. Das Haus Nummer 10 ist ein prägender Bestandteil dieses Straßenzugs und damit von weit über Rothenburg und Bayern hinausreichender historischer Bedeutung.“

„Die Entscheidung der Experten des Landesamts ist eine großartige Bestätigung unserer bisherigen Arbeit“ freut sich Dr. Andreas Hänel, Mitglied im Vorstand der Stiftung Kulturerbe Bayern und ehrenamtlicher Projektleiter in Rothenburg. In enger Zusammenarbeit mit dem Verein Alt-Rothenburg hat Kulturerbe Bayern große Pläne für die Judengasse 10: das ehemals jüdische Wohnhaus soll wieder mit Leben gefüllt und ein echtes Schmuckstück der Rothenburger Altstadt werden.

Damit wir die Judengasse 10 wieder beleben können, brauchen wir Ihre Unterstützung. Machen Sie es wie Irene Sieber, Inhaberin des Modehauses Bella Figura in Rothenburg, und helfen Sie mit einer Patenschaft, einzelne Bauteile des historischen Gebäudes instandzusetzen.

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