Der erste Kulturerbe-Bayern-Schützling liegt in der faszinierenden Altstadt von Rothenburg ob der Tauber.

Entdecken Sie Zeugnisse jüdischen Lebens in Rothenburg - Teil 3

Begleiten Sie uns im dritten und letzten Teil unseres Rundgangs durch die jüdische Geschichte Rothenburgs und begeben Sie sich auf die Spuren der Rothenburger Juden im 19. und 20. Jahrhundert.

Dritte Etappe

1875 gründeten acht Familien eine neue jüdische Kulturgemeinde in Rothenburg, deren Mitgliederzahl bis 1910 auf etwa 100 Personen anwuchs.

Das jüdische Gemeindeleben entwickelte sich rasch: Kurz nach der Gründung von drei Vereinen erwarb die „Israelitische Cultusgemeinde“ 1888 das Haus Herrnmarkt Nr. 40 (heute: Herrngasse 21/Ecke Heringsbronngässchen) und baute es zur neuen Synagoge um. Ein Betsaal im Erdgeschoss gehörte ebenso zu ihr wie Klassenzimmer und eine Lehrerwohnung im Obergeschoss. Das Waschhaus wurde zur Mikwe umfunktioniert. Männer und Frauen betraten den Betsaal getrennt. Vier gepolsterte Bänke für Frauen im hinteren Teil des Raums waren durch ein Gitter vom Männerbereich getrennt, der „Bettisch“ und die Lade für die Heiligen Schriften an der Wand lagen im Osten, daneben befanden sich die Bänke für die Knaben.

Der jüdischen Gemeinde Rothenburgs gehörten im 19. und 20. Jahrhundert vor allem Kaufleute an. Insgesamt 24 Händler arbeiteten 1926 in der mittelfränkischen Stadt, darunter 14 Viehhändler, Textil- und Lederwarenhändler, aber auch Metzger, ein Architekt und ein Religionslehrer. Während dieser Zeit war auch das Verhältnis zu Nichtjuden ausgesprochen gut und auch Christen waren den Juden und der Religion gegenüber aufgeschlossen. Der Rothenburger Lehrer Dr. Heinrich Laible etwa hatte weitreichende Kenntnisse von Judentum und Talmud und genoss bei beiden Seiten hohes Ansehen auf akademischer Ebene.

1938 wurden die letzten verbliebenen Juden aus der Stadt vertrieben und die Synagoge zerstört. Zeugnisse über das jüdische Leben in dieser Zeit haben sich kaum erhalten. Der neue jüdische Friedhof an der Wiesenstraße, der schon seit 1899 besteht, beherbergt etwa 46 Gräber, die während der Herrschaft der Nationalsozialisten geschändet und abgetragen wurden. Die heute sichtbaren Grabsteine stammen aus dem Jahr 1947, als der Friedhof erneuert wurde. Auf einigen Gräbern sind Chanukkaleuchter zu sehen – ein Symbol der Hoffnung und Freude.

v.l.: Bethaus 1890, Grabsteine im Rabbi Meir Gärtchen, Grabstein auf dem Friedhof, Tafel am Bethaus, Memorial-Stein 1938, Stolpersteine
Bildnachweis: Lothar Schmidt Rothenburg.

Stadtspaziergang durch Rothenburgs jüdische Geschichte - Teil 1

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Stadtspaziergang durch Rothenburgs jüdische Geschichte - Teil 2

In unserem zweiten Teil nehmen wir Sie mit zur Judaica-Sammlung im Reichsstadtmuseum.

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