Spurensucherin Regina Däschner (re.) im Gespräch mit einer Journalistin des Deutschlandfunks.
Spurensucherin Regina Däschner (re.) im Gespräch mit einer Journalistin des Deutschlandfunks.

Faszination des Entdeckens - Eine Spurensucherin in der Judengasse 10 erzählt

Regina Däschner gehört zu den freiwilligen Spurensuchern, die in der Judengasse 10 nach Spuren zur Geschichte unseres Schützlings fahnden. In unserem Blog erzählt sie, was sie als Hobby-Archäologin fasziniert, wonach sie und das Grabungsteam in der Judengasse fahnden und was ihre Arbeit ausmacht.

Wie wir bei der Grabung in der Judengasse 10 vorgehen

Die Arbeit ist körperlich sehr anstrengend. Man arbeitet stets knieend und in den zurückliegenden Wintermonaten war es oftmals sehr kalt und zugig.

Die Grabungstiefe ist durch die Bautiefe vorgegeben. In der Judengasse ist die ungefähr 30 Zentimeter. Wir müssen sehr vorsichtig vorgehen, weil die Grabungsschichten schnell aufeinander folgen. Deshalb kommt bei uns hauptsächlich die Maurerkelle zum Einsatz. Den Aushub bringen wir dann Eimer für Eimer nach oben ins Erdgeschoss. Damit wirklich nichts an Funden übersehen wird, sieben wir den Aushub noch einmal, bevor er in einem Baucontainer verschwindet.

Wonach wir in der Judengasse 10 suchen

Es gibt zwei Forschungsansätze, die wir verfolgen. Zum einen möchten wir herausfinden, wie das Haus gegründet ist und worauf es errichtet worden ist. Daraus erhoffen wir uns auch Erkenntnisse zum Verlauf der Rothenburger Stadtmauer zur Erbauungszeit der Judengasse 10. Ein zweiter Forschungsansatz ist die im Gewölbekeller gut erhaltene Mikwe. Wir versuchen dazu die Schicht kurz nach 1409 zu erfassen, da wir wissen, dass die jüdische Gemeinde bis 1525 in Rothenburg existiert hat. Eine solch kurze Zeitspanne von nur ca.100 Jahren durch Keramikfunde zu dokumentieren, ist sehr schwierig.

Warum ich grabe

Geschichte hat mich schon immer interessiert. Zur Archäologie bin ich schließlich durch meinen 2016 verstorbenen Freund Horst Brehm gekommen, der Kreisheimatpfleger war. Meinen ersten Einsatz bei einer Grabung hatte ich 1993. Danach habe ich mich auf diesem Gebiet weitergebildet.

Was mich besonders begeistert

Das lässt sich nicht einfach beantworten!. Grabungen zur Vor- und Frühgeschichte faszinieren mich, weil ich diese extrem lange Zeitspanne sehr spannend finde. Andererseits liegt mir die mittelalterliche Geschichte meiner Heimatstadt sehr am Herzen.

Wo ich grabe

Ich bin bevorzugt in der Region tätig. Grabungen in der Stadt haben meist die mittelalterliche Geschichte im Blick, im Umkreis der Stadt wird mehr zur Vor- und Frühgeschichte geforscht. Werden zum Beispiel Windkraftanlagen gebaut, dann dienen Grabungen dazu, nach Überresten vorgeschichtlicher Siedlungen zu suchen.

Mein spektakulärster Fund

Da gibt es eigentlich keinen speziellen Fund, den ich als einzigartig oder spektakulär bezeichnen möchte. Mich persönlich begeistern besonders Keramikfunde aus der Vor- und Frühgeschichte.

Wenn ich nicht grabe, dann bin ich ...

… Gästeführerin in der Rothenburger Innenstadt. Das mache ich jetzt seit sechs Jahren. Ursprünglich ausgebildet bin ich als Restauratorin.

Lesen Sie mehr zur Spurensuche in der Judengasse 10 hier in unserem Blog.

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