Im Beisein von Rothenburgs Oberbürgermeister Walter Hartl und dem Landtagsabgeordneten Andreas Schalk wurde der Kaufvertrag unterzeichnet.

Jetzt ist es amtlich: Die Judengasse 10 ist unser erster Schützling

Mit dem Kauf des vom Verfall bedrohten spätmittelalterlichen Wohnhauses Judengasse 10 in Rothenburg ob der Tauber ist es amtlich: Das geschichtsträchtige Denkmal ist der erste Schützling im Besitz unserer noch jungen Initiative. Heute unterzeichneten Vertreter der Stiftung Kulturerbe Bayern und des Vereins Alt-Rothenburg in Rothenburg ob der Tauber den Kaufvertrag. Den Kaufpreis in Höhe von 75.000 EUR konnten wir komplett über Spenden finanzieren.

Faszinierende Ergebnisse

Noch befindet sich das Haus in einem dringend rettungsbedürftigen Zustand. Aber die Vorbereitungen für eine denkmalgerechte Instandsetzung laufen bereits. Dazu gehören auch archäologische Grabungen im Gewölbekeller. „Wir stehen noch am Anfang unserer Entdeckungsreise. Umso mehr freut es uns, dass die Holzuntersuchungen an der Bohlenstube im Obergeschoss erste faszinierende Ergebnisse geliefert haben“, erklärt Dr. Johannes Haslauer. Der Historiker ist Vorsitzender des Vereins Kulturerbe Bayern und zugleich stellvertretender Vorsitzender des Stiftungsvorstands.
Experten für die Bestimmung des Alters von Hölzern haben nachgewiesen, dass die Eichen- und Fichtenhölzer, die für die Bohlenstube verwendet wurden, aus der Umgebung von Rothenburg stammen und 1409/1410 geschlagen wurden. „Die Stube entstand also bereits zur Erbauungszeit des Hauses. Sie dürfte zu den ältesten erhaltenen ihrer Art in Bayern gehören ¬– genau wie das jüdische Ritualbad im Gewölbekeller“, so Haslauer. Bohlenstuben – von kräftigen Holzbalken ummantelt – waren oft der einzige beheizte Raum und damit die gute Stube eines Hauses. Das soll die Bohlenstube in der Judengasse 10 auch künftig wieder werden und Raum für vielerlei Begegnungen bieten.
„Den Beginn der Instandsetzung planen wir abhängig vom Spendeneingang frühestmöglich im Laufe des Jahres 2019“, berichtet Dr. Andreas Hänel, Mitglied im Vorstand der Stiftung Kulturerbe Bayern und Projektleiter für die Rettung des Schützlings. Er bittet daher weiter um Unterstützung aus der Bevölkerung: „Für die weiteren Schritte benötigen wir die Hilfe der Menschen in Bayern. Jede Spende - gleich ob groß oder klein – ist ein wichtiger Beitrag, damit das Haus wieder ein Schmuckstück werden kann.“
 

Eine starke Gemeinschaftsleistung

„Dass wir heute den Kaufvertrag unterzeichnet haben, nur zehn Monate, nachdem wir uns für die Judengasse 10 als ersten Schützling entschieden haben, macht uns sehr dankbar“, sagt Dr. Johannes Haslauer. „Binnen kurzer Zeit haben wir zeigen können“, so Haslauer, „dass viele Menschen bereit sind, einen unmittelbaren Beitrag für die Erhaltung des gebauten kulturellen Erbes in Bayern zu leisten. Wir sind sehr glücklich über die große Unterstützung, die wir in den zurückliegenden Monaten erfahren haben – von unseren inzwischen knapp 800 Mitgliedern, von mehr als 150 Volunteers, die bereit stehen, konkret für gefährdete Kulturgüter tätig zu werden, sowie für die Stifter und Spender, die uns die notwendigen finanziellen Mittel zukommen lassen.“
 
Auch beim Verein Alt-Rothenburg ist man sehr zufrieden, dass mit dem Kauf des Denkmals die Rettung dieses einzigartigen Hauses konkret wird. Vorsitzender Dr. Markus Naser, der auch als regionaler Ansprechpartner von Kulturerbe Bayern in Mittelfranken aktiv ist, meint: „Dass wir die Judengasse 10 in die Obhut von Kulturerbe Bayern geben können, macht uns froh und glücklich. Damit hat die Judengasse 10 eine gute Perspektive, wieder zu einem echten Schmuckstück zu werden.“ Der Verein Alt-Rothenburg hatte die Judengasse 10 vor drei Jahren zu einem Kaufpreis in Höhe von 75.000 EUR erworben und gibt sie nun zum selben Preis an Kulturerbe Bayern weiter. Das Nachbargebäude Judengasse 12, das sich seit 2002 im Besitz des Vereins Alt-Rothenburg befindet, wird nun ebenso wie die Judengasse 10 denkmalgerecht instandgesetzt. Die Restaurierung dieses Gebäudes übernimmt der Verein Alt-Rothenburg selbst und arbeitet dabei mit Kulturerbe Bayern zusammen.