"Kulturpflege braucht das Miteinander": Staatsminister Bernd Sibler im Interview

Unter dem Dach von Kulturerbe Bayern erhalten Menschen gemeinschaftlich gebautes und gewachsenes Erbe in Bayern. Dafür gibt es viele gute Gründe. Für viele bedeuten die geschichtsträchtigen Bauten und Kulturlandschaften Heimat. Staatsminister Bernd Sibler bekennt sich nicht nur in seiner Funktion als Kunstminister, sondern auch als Mitglied zu unserer Initiative. Hier beantwortet er unsere Fragen rund um Kulturerbe und Heimat.

Heimat ist seit einiger Zeit ein Trendbegriff. Wie bewerten Sie das? Und was bedeutet der Begriff Heimat für Sie ganz persönlich?

Menschen, die sich mit ihrer Region identifizieren, sie schätzen und sich hier wohlfühlen, sind für die Entwicklung unseres Landes immens wertvoll. Denn diese Verbundenheit ist eine ganz wichtige Voraussetzung dafür, dass sich unsere Bürgerinnen und Bürger für ihre Region einsetzen, sie mitgestalten, weiterentwickeln und das, was sie besonders und lebenswert macht, pflegen.
Unsere Traditionen und Bräuche, unsere Dialekte und Trachten und auch das Landschaftsbild mit seinen großen und kleinen Baudenkmälern gehören für mich natürlich dazu. Heimat prägt uns und beeinflusst uns positiv. Heimat stiftet Identität! Unser kulturelles Erbe ist reich und wertvoll. Es zeigt uns, wo unsere Wurzeln liegen, was uns ausmacht und prägt. Für mich persönlich ist das Plattling mit seiner Umgebung, den wunderschönen Donau- und Isarauen.

Wenn Sie Ihre Definition von Heimat zugrunde legen: Welcher Wert kommt dann der Pflege von Traditionen und dem Erhalt von gebauten und gewachsenen Kulturgütern zu?

Unser kulturelles Erbe verbindet uns sowohl untereinander als auch mit unseren Vorfahren. Als kostbarer Erfahrungsschatz der Vergangenheit kann es uns im Hier und Heute und auch in der Zukunft wertvoll sein. Kulturgüter und Traditionen sind eine bedeutende Klammer für unser gesellschaftliches Miteinander.

Bayern ist reich an geschichtsträchtigen Orten und faszinierenden Landschaften. Verraten Sie uns Ihren Lieblingsort, mit dem Sie das Gefühl von Heimat verbinden?

„Heimat“ ist für mich da, wo Menschen sind, mit denen ich mich wohl fühle, vor allem meine Familie. Heimat ist der Ort, wo ich meine Wurzeln habe. Für mich ist Heimat Bayern, Niederbayern, der Landkreis Deggendorf, Plattling.

Was können bürgerschaftliche Initiativen wie Kulturerbe Bayern aus Sicht der Politik für die Pflege und den Erhalt unseres kulturellen Erbes leisten? Was bedeutet das Engagement von Kulturerbe Bayern für den Freistaat?

Traditions- und Kulturpflege braucht das Miteinander vor Ort! Sie braucht Menschen, die das Besondere ihrer Region, ihrer Heimat bewahren und anderen zugänglich machen. So können wir unser kulturelles Erbe lebendig halten und es vielen ermöglichen, daran teilzuhaben. Das Engagement der Vereine vor Ort ist unmittelbar, direkt und sehr wertvoll. Der Politik kommt dabei die Aufgabe zu, die Bürgerinnen und Bürger dabei zu unterstützen, sich aktiv und konkret in ihrer Region und für ihre Region einsetzen. Das ist essentiell. Menschen, die leidenschaftlich Kulturgüter erhalten, können auch viele andere anstecken. Sie machen sichtbar, was ihnen am Herzen liegt. Daher möchte ich alle Interessierten ermuntern, Mitglied bei Kulturerbe Bayern zu werden, sofern Sie dies nicht ohnehin schon sind.

"Mit Tatkraft und großer Leidenschaft den Reichtum unseres kulturellen Erbes sichtbar machen"

Herr Staatsminister, Sie sind selbst Mitglied bei Kulturerbe Bayern. Wie erleben Sie ganz persönlich unsere Initiative?

Bei Kulturerbe Bayern steht das gemeinsame Tun im Mittelpunkt. Menschen aus ganz Bayern finden sich hier zusammen, um den Reichtum des kulturellen Erbes unserer bayerischen Heimat zu bewahren. Ich schätze dieses Miteinander sehr. Wie erfolgreich die Initiative ist, zeigt schon das erste Projekt, dem sich der Verein angenommen hat: Aus ganz Bayern kamen Spenden, um das Rothenburger Denkmal in der Judengasse 10 zu erhalten. Menschen aus dem gesamten Freistaat engagieren sich für dieses erste Objekt! Die ersten lokalen Initiativen, mit denen der Verein bereits Partnerschaftsabkommen abgeschlossen hat, sind in Altbayern und in Franken beheimatet und ich freue mich, wenn Kulturerbe Bayern diese Entwicklung auch in den anderen Regionen Bayerns fortsetzen wird.

Was wünschen Sie Kulturerbe Bayern für die Zukunft und was wünschen Sie sich als Staatsminister von unserer Initiative?

Das ehrenamtliche Engagement der Vereinsmitglieder ist auf allen Ebenen bemerkenswert. Ein herzliches Vergelt’s Gott! Ich möchte alle Beteiligten ermuntern, diesen Weg fortzusetzen. Wie lohnenswert das ist, zeigt der erste „Schützling“ in Rothenburg ob der Tauber. Ich wünsche der Initiative, dass sie noch mehr Menschen begeistern und motivieren kann, sich zu beteiligen. Mit ihrer Tatkraft und ihrer großen Leidenschaft helfen die Mitglieder, den Reichtum unseres kulturellen Erbes sichtbar zu machen. Unser gemeinsames Ziel ist es, noch mehr Menschen zu ermöglichen, dass sie an unseren wunderbaren Kulturgütern teilhaben und sie erleben können. Kulturerbe Bayern zeigt schon heute, wie man den Wert und die Bedeutung unserer Kulturgüter für uns Menschen und unsere Gesellschaft gut sichtbar machen kann.