Drei orangegefärbte Ostereier in einem aus Weiden geflochtenen Nest mit Weidekätzchen

Viele Bräuche rund ums Osterei

Das Färben von Ostereiern ist einer der am meisten verbreiteten Osterbräuche. Dazu kommen viele verschiedene regionaltypische Traditionen rund um das Osterfest. Adrian Roßner hat in seiner Heimatregion, dem Hofer Land, alte Bräuche wieder entdeckt.

Adrian Roßner ist unser regionaler Ansprechpartner für Oberfranken. Unermüdlich ist er im Dienste der Regionalgeschichte unterwegs. Für den Blog www.stadtlandhof.de hat er nach spannenden Bräuchen rund ums Osterei gesucht - und dabei viel Magisches entdeckt. Einige der von Adrian Roßner entdeckten Bräuche rund ums Osterei haben wir hier für Sie zusammengetragen.

Es ist der ewige Kreislauf aus Geburt, Tod und Auferstehung, der sich an Ostern – ganz gleich, ob auf die Natur, den christlichen Ritus oder auch das individuelle Leben bezogen – in allen Bräuchen widerspiegelt. Das Ei symbolisiert dabei das junge Leben (Eigelb) im Tod (Schale) und steht für die Auferstehung.

Im Aberglauben hielt sich die Mär, man könne die Osterfeiertage auch dazu nutzen, um selbst eine aktive Rolle im Schicksal zu spielen. Die Grenzen zwischen Volksglaube und Magie verschwammen und erlaubten es so, gewisse Regeln zu etablieren, mit deren Hilfe man dem eigenen Glück auf die Sprünge helfen könne.

Magische Bräuche zu Ostern

Eine wichtige Rolle spielten im Brauchtum früherer Tage die „Gründonnerstagseier“: Der Gründonnerstag galt aufgrund des Bezugs zur Farbe von Pflanzen als guter Tag für die Aussaat und verwies damit ebenfalls auf das junge Leben. Eiern, die am Gründonnerstag gelegt worden sind und damit faktisch die doppelte Symbolik vorweisen konnten, wurden daher besonders starke magische Kräfte zugesprochen. Die folgenden Regeln stammen aus einem „Zauberbüchlein“ aus Münchberg, einer Art Rezeptsammlung für Zauberei und Magie.

Ein Nest, gefüllt mit mit Eiern, Federn und Blumenzwiebeln
  • Verscharre ein Gründonnerstagsei im Mist. Nach vier Tagen findest du einen Stein, der dich, so du ihn bei trägst, vor Kugeln und Geschossen beschützt.
  • Nimm ein Gründonnerstagsei und lege es in das Nest einer alten Henne. Sie wird dir daraufhin eine Wurzel bringen, die, so du sie in deinen Beutel steckst, stetig Geld nachkommen lassen wird.
  • Nimm ein Ei und lege es auf einen Ameisenhaufen. Am dritten Tage wirst du an seiner statt einen roten Stein finden, der dich vor allem Leid beschützt.

Bunt gefärbte Eier als Zeichen für Glück und Segen

Zwölf bunte Ostereier

Glück und Segen symbolisierte auch der Brauch der Patenware: Schon beim ersten Osterfest, das ein Kind erlebt, muss der Pate am Karfreitag ungesehen die Stube betreten und zwölf Eier (auch hierbei kommt die christliche Symbolik zum Tragen) auf den Tisch legen. Einige davon gekocht und gefärbt, andere weiß und roh. Sobald das Kind erwacht ist, wird es an den Tisch getragen und man beobachtet, nach welchem Ei es greift. Berührt es ein rotes zuerst, bedeutet es Glück, ein blaues bringt Reichtum. Ein weißes Ei aber steht dafür, dass das Kind in jungen Jahren sterben und seine eigene Konfirmation nicht erleben wird.

Glücklicherweise kann der Pate einem solchen Orakel durch entsprechende Anordnung der Eier entgegenwirken, sodass das Kind in den allermeisten Fällen einen Segen zu Ostern erhält. Fortan wird dieser in jedem Jahr erneuert, indem der Pate dem Kind immer die exakt gleiche Anzahl an Eiern – diesmal allerdings allesamt gekocht und gefärbt – zum Geschenk macht. Im Jahr der Konfirmation wird diese „Patenware“ durch Klamotten und Schmuck abgelöst, ehe das Kind fortan selbst für sein Seelenheil verantwortlich zeichnet und der Pate von seiner Pflicht entbunden ist.

Fast schon vergessen: Ostereierspiele

Ein blaues und ein rotes Osterei: Eiertitschen

Nachdem die Eier somit keinerlei Bedeutung mehr für die Jugendlichen hatten, nahmen sie sie gerne für „Eierspiele“ her. Davon berichtet der Hofer Sagenforscher Andreas Reichold. Es gab derer zwei, die heute so gut wie unbekannt sind:

Beim „Härteln“ werden die Eier durch ein Wasserbad auf Schadstellen in der Schale hin untersucht, ehe durch ein Klopfen an die Zähne festgestellt wird, wo sie am dicksten ist. Daraufhin ziehen die Kinder los und fordern sich gegenseitig zum Wettkampf heraus. Zu Beginn sagt jeder Teilnehmer an, welche Stelle des Eis die festeste sei: Der „Orsch“ oder der „Kubf“! Daraufhin werden die Eier an exakt jenen Punkten gegeneinander geschlagen. Es gewinnt derjenige, dessen Ei die Prozedur überlebt hat.

Beim „Petzen“ greift man auf Eier zurück, die eine für das Härteln zu schwache Schale aufweisen. Man stellt sie auf und wirft mit Münzen darauf. Bleibt die Münze im Ei stecken, muss der Besitzer des Eis den gleichen Beitrag an den Gewinner auszahlen. Prallt sie vom Ei ab, muss der Münzwerfer das Geldstück an den Eierbesitzer abgeben.