Auch der Freistaat trägt seinen Teil zur Wiederbelebung der Judengasse 10 bei

Wir sind überglücklich und dankbar, dass uns so viele helfende Hände bei der Rettung und Wiederbelebung dieses einzigartigen, vom Verfall bedrohten Hauses unterstützen. Weil das Haus für Franken und Bayern von so großer Bedeutung ist, trägt jetzt auch der Freistaat Bayern seinen Teil dazu bei. Noch immer ist jede Unterstützung notwendig und willkommen, damit aus dem notleidenden Patienten wieder ein lebendig genutzter Ort zum Wohnen, Treffen und Erleben werden kann.

Mit unserem ersten Schützling erhält die Tauberstadt schon bald ein weiteres Highlight, das über deren Stadtmauern hinaus ausstrahlen wird. Beeindruckend ist dabei nicht nur das 1409 erbaute Haus an sich, sondern auch das große Engagement vieler Menschen aus ganz Bayern.

Wie Kunstminister Bernd Sibler nun bekannt gab, wird der Freistaat Bayern bei der Sanierung des Stadthauses Judengasse 10 in Rothenburg ob der Tauber mit 725.000 Euro aus dem Entschädigungsfonds mithelfen. Wir freuen uns sehr über diese Entscheidung.

Staatsminister Sibler begründet die Förderung damit, dass es sich bei der Judengasse 10 um „ein herausragendes Dokument spätmittelalterlichen jüdischen Lebens in Mittelfranken“ handle.„Die darin noch erhaltene Mikwe ist eines der ältesten datierbaren Beispiele eines jüdischen Ritualbads in Deutschland. Ich freue mich sehr, dass wir mit Mitteln aus dem Entschädigungsfonds dazu beitragen können, diese historische Kostbarkeit für die Nachwelt zu sichern“, betonte Sibler.

"Wir danken Staatsminister Sibler sowie dem Freistaat und den Kommunen, die den Entschädigungsfonds gemeinsam verwalten, für dieses eindrucksvolle und ermutigende Zeichen“, so Dr. Johannes Haslauer, Vorsitzender des Vereins Kulturerbe Bayern und zugleich Stellvertretender Vorsitzender des Stiftungsvorstands. „Es zeigt die große Bedeutung, mit der die Judengasse 10 weit über die Grenzen Rothenburgs ausstrahlt. Und zugleich beweist der Staatsminister damit sein großes Vertrauen in Kulturerbe Bayern und in das Selbstverständnis unserer Initiative, als bürgerschaftlicher 'National Trust' in Bayern historische Gebäude und Kulturlandschaftsteile gemeinschaftlich zu bewahren und für breite Kreise erlebbar zu machen".

Es sei auch ein starkes Signal, so Haslauer, dass der Freistaat das zukunftsträchtige Modell, das kulturelle Erbe auf gemeinschaftlichem Fundament zu erhalten und fruchtbar zu machen, auch unter schwierigen finanziellen Bedingungen ernst nehme.

Ehrenamtliche unermüdlich im Einsatz

Unter dem Dach unserer bürgerschaftlichen Initiative haben seit vergangenem Jahr sehr viele Menschen ehrenamtlich ihr Know-how, ihre Zeit und ihre privaten Mittel eingebracht. Die Engagierten ermöglichen damit erst die Rettung der Judengasse 10 mit ihren herausragenden Ausstattungsmerkmalen wie dem einzigen in der Stadt bislang entdeckten jüdischen Ritualbad oder einer ebenfalls aus der Erbauungszeit stammenden Bohlenstube. Rund 1,5 Millionen Euro sind für die Instandsetzung unseres Schützlings nötig. So ist auch weiterhin jede Unterstützung erforderlich und willkommen, damit wir aus dem geschichtsträchtigen Haus wieder einen lebendigen Ort machen können - für alle und für immer.

Über die Entscheidung freut sich auch  Dr. Ludwig Spaenle, Beauftragter der Bayerischen Staatsregierung für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus, für Erinnerungsarbeit und geschichtliches Erbe: „Die Sanierung des Bürgerhauses Judengasse 10 mit der darin erhaltenen Mikwe ermöglicht es, jüdisches Leben des spätmittelalterlichen Rothenburg ob der Tauber wieder sichtbar werden zu lassen. Ich konnte mich jüngst selbst bei einem Besuch in dem ehemaligen Handwerkerviertel der Stadt von der großen Bedeutung dieses Baudenkmals mit dem rituellen Tauchbad überzeugen. Die vom Entschädigungsfonds zugesicherten Mittel von 725.000 Euro sind sehr gut angelegt.“