Für Kulturerbe Bayern liefen die alten Druckermaschinen.

Unsere Weihnachtskarte kommt aus einer historischen Druckerei in der Oberpfalz

Unsere diesjährige Weihnachtskarte ist etwas ganz Besonderes: sie ist in der Historischen Druckerei J.E. v. Seidel in Sulzbach-Rosenberg exklusiv für Kulturerbe Bayern hergestellt worden. Die Druckerei ist Teil des Seidel’schen Verlagsarchivs. Das einzigartige geschlossene Ensemble bayerischer Kulturgeschichte besteht aus der Druckerwerkstätte, repräsentativen Wohn- und Geschäftsräumen, historischem Buchbestand und Verlagsarchivalien.

In traditioneller Handwerkstechnik

Helmut Spies lernte ab August 1963 in der Druckerei Seidel den Beruf des Setzers und Druckers. Er arbeitete dort, bis die traditionsreiche Druckerei Weihnachten 1975 schloss. Maschinen, Letternkästen und Druckformen stehen dort heute noch wie damals. Sie stammen aus dem 18. bis 20. Jahrhundert. Mehr als vier Jahrzehnte nach der Schließung hat Helmut Spies die Maschinen für Kulturerbe Bayern wieder in Gang gesetzt.

Zuerst fertigte er den Satz mit einzelnen Bleilettern an. Der grüne Zweig auf der Vorderseite ist ein Druckstock aus Kupfer, die Linien sind aus Messing. Buchstaben und Blindmaterial wurden dann zusammengesetzt. So entstand die Druckform, die der Drucker in den Druckrahmen einspannte.

Viermal musste dann das Papier durch die Druckmaschine „Heidelberger Tigel“ (Baujahr 1958) laufen. Zuerst kamen die schwarzen Elemente, dann die grünen. Im nächsten Schritt wurde die Prägefolie haargenau auf den grünen Zweig aufgedrückt. Zuletzt wurde die Rillung der Karte hergestellt.

Das Drucken auf die traditionelle Art ist arbeits- und zeitintensiv. Für die Weihnachtskarte von Kulturerbe Bayern hat Helmut Spies siebzehn Stunden an den Druckmaschinen der Historischen Druckerei Seidel gearbeitet.

Drucken mit Geschichte

Der Druckereisaal Seidel am Marktplatz von Sulzbach wurde 1863 errichtet. Das Druckwesen in der Stadt im Oberpfälzer Jura geht aber viel weiter zurück. Schon 1664 war in der Stadt eine Druckerei errichtet worden. In der Hand von Johann Esaias von Seidel, der 1807 sogar das leerstehende Sulzbacher Schloss für seinen Betrieb erwarb, wurde sie zum größten grafischen Betrieb in Bayern. Als Druckort der „Sulzbacher Kalender“ wurde Sulzbach weit über die Grenzen Bayerns hinaus bekannt. Doch 1975 muss die Druckerei ihre Arbeit einstellen.

Mit dem Ziel, diese historische Stätte zu erhalten und mit Leben zu füllen, wurde 2007 der Verein „Historische Druckerei J. E. v. Seidel – Forum für Kunst & Kultur e.V.“ gegründet. Nach einer 'sanften' Sanierung wird der Saal der Druckerei seit April 2011 in provisorischer Form als Kleinkunstbühne genutzt. 2008 hat sich in den Verlagsräumen eine kleine Sensation ereignet: man entdeckte eine unveröffentlichte Bildergeschichte von Wilhelm Busch, „Der Kuchenteig“.

Helmut Spies bietet als Ehrenamtlicher auch Druckführungen und Vorführungen in der Historischen Druckerei in Sulzbach-Rosenberg an.

Wir danken dem Verein der Historischen Druckerei Seidel, allen voran Dr. Markus Lommer und Helmut Spies, für dieses Weihnachtsgeschenk und das ehrenamtliche Engagement für Kulturerbe Bayern!